{"id":124,"date":"2020-08-31T18:14:31","date_gmt":"2020-08-31T16:14:31","guid":{"rendered":"http:\/\/40jahre.nonazis.net\/?p=124"},"modified":"2020-09-17T20:01:49","modified_gmt":"2020-09-17T18:01:49","slug":"40-jahre-nach-dem-oktoberfestattentat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/40jahre.nonazis.net\/index.php\/40-jahre-nach-dem-oktoberfestattentat\/","title":{"rendered":"40 Jahre nach dem Oktoberfestattentat"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gegen das Vergessen und die Kontinuit\u00e4ten rechten Terrors<\/strong><br><br><em>Der rechte Terror der Gegenwart hat eine lange Tradition, die bis zum Ende des Nationalsozialismus zur\u00fcckreicht. Im Jahr 1980 forderten drei rechtsterroristische Anschl\u00e4ge in Hamburg, M\u00fcnchen und Erlangen allein insgesamt 16 Todesopfer. Die Erinnerung an diese Taten wachzuhalten bedeutet auch, auf Kontinuit\u00e4ten hinzuweisen, die von 1980 bis heute reichen.<\/em><br><br>Das Jahr 1980 markiert einen brutalen Kulminationspunkt rechter Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Jahr entlud sich das gef\u00e4hrliche Potential der neonazistischen Strukturen, die sich seit dem Ende des Nationalsozialismus formiert hatten. Zentrale Ereignisse von 1980 stehen exemplarisch f\u00fcr Kontinuit\u00e4ten im Umgang mit rechtem Terror, die bis heute fortbestehen. 2020 j\u00e4hren sich die t\u00f6dlichen Anschl\u00e4ge auf Nguy\u1ec5n Ng\u1ecdc Ch\u00e2u und \u0110\u1ed7 Anh L\u00e2n in der Hamburger Halskestra\u00dfe, auf das Oktoberfest in M\u00fcnchen und auf Shlomo Lewin und Frida Poeschke in Erlangen zum 40. Mal. Das Gedenken an sie hat auch deshalb besondere Aufmerksamkeit verdient, weil der gegenw\u00e4rtig so wichtige Kampf gegen rechten Terror nur im Bewusstsein seiner langen Geschichte gef\u00fchrt werden kann.<br><br>Bei der Anschlagserie der \u201eDeutschen Aktionsgruppen\u201c, der am 22.08.1980 Nguy\u1ec5n Ng\u1ecdc Ch\u00e2u und \u0110\u1ed7 Anh L\u00e2n zum Opfer fielen, zeigten sich die Ignoranz der Beh\u00f6rden gegen\u00fcber rechten Gewalttaten, die Gleichg\u00fcltigkeit der deutschen Mehrheitsgesellschaft gegen\u00fcber migrantischen Betroffenen und die Einbettung solcher Gewalttaten in einen etablierten rassistischen Diskurs. Das von dem Neonazi Gundolf K\u00f6hler begangene Oktoberfestattentat ist mit 12 Todesopfern nicht nur der bis dato verheerendste Terroranschlag der bundesdeutschen Geschichte, sondern steht auch exemplarisch f\u00fcr die Verdr\u00e4ngung rechter Gewalttaten im post-nationalsozialistischen Deutschland, die relativierende Einzelt\u00e4terthese und f\u00fcr verhinderte Aufkl\u00e4rung.Die antisemitisch motivierte Ermordung von Shlomo Lewin und Frida Poeschke durch ein Mitglied der &#8222;Wehrsportgruppe Hoffmann&#8220; steht f\u00fcr die Kontinuit\u00e4t antisemitischer Gewalt in Deutschland seit 1945 und die Verharmlosung rechter Strukturen durch f\u00fchrende Politiker*innen, f\u00fcr T\u00e4ter-Opfer-Umkehr durch Presse und Beh\u00f6rden und den Entzug der Solidarit\u00e4t mit den Opfern seitens der Bev\u00f6lkerung.<br><br>Bereits vor vierzig Jahren wurden Drohungen und Warnungen vor der Gefahr durch rechten Terror nicht ernst genommen und Zusammenh\u00e4nge zwischen einzelnen Taten und T\u00e4ter*innen systematisch ignoriert. Rechtsterroristische Anschl\u00e4ge wurden im Nachgang entpolitisiert und immer wieder ging man von Einzelt\u00e4ter*innen mit individuellen Tatmotivationen aus. So wurden die Bedingungen f\u00fcr weitere Anschl\u00e4ge geschaffen. Doch die Taten des Terrorjahres 1980 stehen sowohl untereinander, als auch mit dem rechten Terror der Gegenwart in Zusammenhang. Dieser wird durch die fortw\u00e4hrende Verharmlosung rechter Gewalt, Kriminalisierung der Betroffenen, sowie den politischen Kampf gegen Antifaschist*innen weiter erm\u00f6glicht. All diese Kontinuit\u00e4ten gilt es zu benennen und zu beenden.<br><br>Das hei\u00dft auch, weiterhin breite antifaschistische B\u00fcndnisse mit Betroffenen rassistischer und antisemitischer Gewalt auf- und auszubauen, die den Rahmen f\u00fcr praktische Solidarit\u00e4t bieten. Denn auf den Staat k\u00f6nnen wir uns nicht verlassen. Gleichzeitig fordern wir den Schutz aller Menschen vor rechter Gewalt als absolutes Mindestma\u00df gesellschaftlichen Zusammenlebens ein. Geht mit uns auf die Stra\u00dfe, zeigt euch mit eigenen Aktionen solidarisch, macht auf die lange Geschichte des Terrors aufmerksam, um zusammen gegen das Vergessen und f\u00fcr eine \u00dcberwindung dieser Zust\u00e4nde zu k\u00e4mpfen. Erh\u00f6hen wir den Druck, um der Normalit\u00e4t des Terrors endlich ein Ende zu setzen. Die Forderungen sind und bleiben klar:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<br><br><strong>Nazinetzwerke entwaffnen und zerschlagen!\u00a0<\/strong><br><strong>Verfassungsschutz aufl\u00f6sen!\u00a0<\/strong><br><strong>Akten freigeben!\u00a0<\/strong><br><strong>Entnazifizierung aller staatlichen Beh\u00f6rden jetzt!\u00a0<\/strong><br><strong>Schluss mit der Kriminalisierung antifaschistischer und migrantischer Selbstorganisation!\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tragt die verdr\u00e4ngte und vergessene Geschichte der Opfer des rechten Terrors in die \u00d6ffentlichkeit! Zeigt eure Solidarit\u00e4t auf der Stra\u00dfe und im Netz unter #mehrals40jahre!<\/strong><br><br><strong>Kommt zur antifaschistischen Demonstration in M\u00fcnchen, am 26.09.!<\/strong><br><strong>Kein Vergessen!<\/strong><br><br><strong>In Erinnerung an:<\/strong><br>Nguy\u1ec5n Ng\u1ecdc Ch\u00e2u<br>\u0110\u1ed7 Anh L\u00e2n<br>Gabriele Deutsch<br>Robert Gmeinwieser&nbsp;<br>Axel Hirsch&nbsp;<br>Markus H\u00f6lzl&nbsp;<br>Paul Lux&nbsp;<br>Franz Schiele&nbsp;<br>Ignaz Platzer&nbsp;<br>Ilona Platzer<br>Angela Sch\u00fcttrigkeit<br>Errol Vere-Hodges&nbsp;<br>Ernst Vestner&nbsp;<br>Beate Werner&nbsp;<br>Shlomo Lewin<br>Frida Poeschke<br><br>und alle Opfer rechter Gewalt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der rechte Terror der Gegenwart hat eine lange Tradition, die bis zum Ende des Nationalsozialismus zur\u00fcckreicht. Im Jahr 1980 forderten drei rechtsterroristische Anschl\u00e4ge in Hamburg, M\u00fcnchen und Erlangen allein insgesamt 16 Todesopfer. 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