{"id":200,"date":"2020-11-30T14:48:19","date_gmt":"2020-11-30T13:48:19","guid":{"rendered":"http:\/\/40jahre.nonazis.net\/?page_id=200"},"modified":"2020-11-30T15:03:57","modified_gmt":"2020-11-30T14:03:57","slug":"in-gedenken-an-shlomo-lewin-und-frida-poeschke","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/40jahre.nonazis.net\/index.php\/in-gedenken-an-shlomo-lewin-und-frida-poeschke\/","title":{"rendered":"In Gedenken an Shlomo Lewin und Frida Poeschke"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kundgebung und Demonstration zum 40. Jahrestag des antisemitischen Attentats auf Shlomo Lewin und Frida Poeschke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>19.12.2020, 17:30 Uhr<\/em><br><em>Lewin-Poeschke-Anlage Erlangen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Am 19. Dezember 1980 wurden Shlomo Lewin und Frida Poeschke in ihrem Wohnhaus in Erlangen ermordet. Ein Mitglied der neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann t\u00f6tete sie aus antisemitischen Motiven.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"http:\/\/40jahre.nonazis.net\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/twitter_erlangen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-184\" srcset=\"https:\/\/40jahre.nonazis.net\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/twitter_erlangen.jpg 1024w, https:\/\/40jahre.nonazis.net\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/twitter_erlangen-300x150.jpg 300w, https:\/\/40jahre.nonazis.net\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/twitter_erlangen-768x384.jpg 768w, https:\/\/40jahre.nonazis.net\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/twitter_erlangen-120x60.jpg 120w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Shlomo Lewin (1911) entkam der nationalsozialistischen Verfolgung, k\u00e4mpfte im israelischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg f\u00fcr die Hagana und lebte nach der Staatsgr\u00fcndung in Israel. Nachdem er 1960 nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt war, war er als Rabbiner und Verleger von Judaica t\u00e4tig und Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde N\u00fcrnberg, sowie der Gesellschaft f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Zusammenarbeit. Frida Poeschke (1928), deren Lebensgef\u00e4hrte Shlomo Lewin in dieser Zeit wurde, engagierte sich gemeinsam mit ihm f\u00fcr christlich-j\u00fcdische Verst\u00e4ndigung. Immer wieder warnte Shlomo Lewin \u00f6ffentlich vor der Gefahr, die von Neonazis ausgeht und rief dazu auf, sie zu bek\u00e4mpfen. Doch diese Warnungen wurden wie viele andere nicht geh\u00f6rt oder nicht ernst genommen. Vielmehr wurde die Wehrsportgruppe Hoffmann von der CSU-Regierung \u00fcber Jahre hinweg verharmlost und geduldet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Mord an Frida Poeschke und Shlomo Lewin verd\u00e4chtigten die Ermittlungsbeh\u00f6rden vor allem das pers\u00f6nliche Umfeld der Opfer und ermittelten erst sp\u00e4t ernsthaft in Richtung rechter Strukturen, wie der unweit von Erlangen in Ermreuth ans\u00e4ssigen Wehrsportgruppe Hoffmann. In der Medienberichterstattung wurden die Opfer durch haltlose Ger\u00fcchte und eine anklingende T\u00e4ter-Opfer Umkehr diffamiert und fremd gemacht. Im Gegensatz zu den j\u00fcdischen Gemeinden, in denen Entsetzen \u00fcber die Tat herrschte, gab es in der Mehrheitsgesellschaft keinen Aufschrei und keine Solidarisierung mit den Opfern. Juristisch wurde niemand f\u00fcr die Tat belangt. Der M\u00f6rder, der bis heute als Einzelt\u00e4ter gilt, soll Suizid begangen haben und alle Angeklagten im Strafprozess wurden vom Vorwurf der Beihilfe freigesprochen. Weil kein Gedenken etabliert wurde, aber vor allem, weil keine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit rechtem Terror stattfand gerieten das Attentat, die Opfer und der politische Hintergrund mehr und mehr in Vergessenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch im Fall anderer rechtsterroristischer Morde im Jahr 1980 \u2013 das Oktoberfestattentat in M\u00fcnchen und der rassistische Brandanschlag in Hamburg, bei dem Nguy\u1ec5n Ng\u1ecdc Ch\u00e2u und \u0110\u1ed7 Anh L\u00e2n get\u00f6tet wurden \u2013 erinnert bei dem antisemitischen Attentat auf Shlomo Lewin und Frida Poeschke vieles an den rechten Terror der j\u00fcngeren Vergangenheit und der Gegenwart. So wie die Anf\u00e4nge und Urspr\u00fcnge des rechten Terrors in Deutschland weit vor 1980 liegen, ist auch seine Kontinuit\u00e4t bis heute nicht gebrochen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Jahr, am 19. Dezember 2020, j\u00e4hrt sich das antisemitische Attentat zum 40. Mal. Zu diesem Anlass findet um 17.30 Uhr eine antifaschistische Gedenkkundgebung an der Lewin-Poeschke-Anlage in Erlangen mit anschlie\u00dfender Demonstration statt. Gemeinsam wollen wir Shlomo Lewin, Frida Poeschke und allen Opfern rechter Gewalt gedenken. Wir wollen daran erinnern, dass es sich bei den unz\u00e4hligen rechten Morden nicht um Einzelf\u00e4lle handelt, sondern dass sie Teil einer langen Geschichte rechten Terrors und das Resultat einer rassistischen, antisemitischen Normalit\u00e4t sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenn wir der Entpolitisierung rechter Morde entgegentreten und die Zusammenh\u00e4nge erkennen und benennen, haben wir dem Fortwirken der Vergangenheit in der Gegenwart etwas entgegenzusetzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gegen das Vergessen und die Kontinuit\u00e4t des rechten Terrors!&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcr die Gesellschaft der Vielen!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kundgebung und Demonstration zum 40. Jahrestag des antisemitischen Attentats auf Shlomo Lewin und Frida Poeschke 19.12.2020, 17:30 UhrLewin-Poeschke-Anlage Erlangen Am 19. Dezember 1980 wurden Shlomo Lewin und Frida Poeschke in ihrem Wohnhaus in Erlangen ermordet. Ein Mitglied der neonazistischen Wehrsportgruppe Hoffmann t\u00f6tete sie aus antisemitischen Motiven.&nbsp; Shlomo Lewin (1911) entkam der nationalsozialistischen Verfolgung, k\u00e4mpfte im israelischen Unabh\u00e4ngigkeitskrieg f\u00fcr die Hagana und lebte nach der Staatsgr\u00fcndung in Israel. 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